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Test: Das Golem-Abo

IT-Journalismus ohne Werbung

Ratings in depth

9 10 Very good

Seit kurzem bietet golem.de seine Inhalte auch im Bezahl-Abo an. Das haben wir uns etwas näher angesehen und untersucht, wie groß die Unterschiede denn zur kostenfreien Variante sind.

Im Vergleich zu einigen anderen IT-Magazinen ging golem.de mit Werbung eigentlich schon immer recht „übersichtlich“ um: Das Auge hatte – zumindest nach etwas Eingewöhnungszeit – keine allzu großen Probleme, die Werbung als solche zu erkennen und (zum Leidwesen des Umsatzes) diese auch „auszublenden“.


Und nun das: Ab EUR 2,50 pro Monat lässt sich alles, über das sich das Auge gekonnt hinwegzusetzen gelernt hat, mit einem Mal beseitigen. Die Frage ist: Lohnt sich das?

g4Persönliche Einstellungen

Nach der Registrierung hat der Leser die Möglichkeit, ein paar Vorgaben zur Ausgabe zu definieren. Zum einen kann entschieden werden, ob die eingebetteten Videos im HTML5- oder im Flash-Format ausgeliefert werden. Außerdem lässt sich auf festlegen, ob längere Artikel, die bislang immer auf mehrere Seiten verteilt wurden, nun als einzelnes Dokument ausgegeben werden sollen.

Da ich persönlich das Klicken auf die nächste Seite lästig finde, kommt mir diese Option sehr gelegen.

Startseite im A/B-Vergleich

Schauen wir uns einmal die Startseite in der bisherigen Version, verglichen mit der werbefreien Ausführung, an. In der folgenden Abbildung lässt sich ein A/B-Vergleich durch Bewegung des horizontalen Sliders bewerkstelligen.

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Die Werbung auf der Startseite dominierte bisher eindeutig das vollständige Erscheinungsbild von golem.de und „drückte“ die eigentlichen Inhalte regelrecht nach unten. In der werbefreien Variante lässt sich erkennen, um welche große Menge es sich dabei eigentlich handelt.

Eines fällt beim Surfen mit Abo sofort auf: Man erwischt sich häufiger dabei, bestimmte Content-Blöcke aus dem Augenwinkel heraus fälschlicherweise als Werbung zu „identifizieren“. Das Auge muss sich tatsächlich erst daran gewöhnen, dass da tatsächlich nichts mehr ist, was man gezielt ignorieren müsste.

Aber schauen wir uns einmal die Aufmerksamkeitsverteilung der Startseite der ersten Sekunden an. Die folgende Perceptionmap wurde mittels EyeQuant berechnet:

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Hier lässt sich das bestätigen, was bereits zu erwarten war: Die Verteilung der Aufmerksamkeit streckt sich nun auf weitere Artikel. Vor allem die Videos profitieren vom bereinigten Layout. Interessant ist auch, dass der Fokus von der Überschrift des ersten Artikels verstärkt zu seiner Abbildung wandert.

Artikelseiten im A/B-Vergleich

Und wie sieht es auf den Artikelseiten aus? Auch hier verdrängt die eingebundene Werbung normalerweise bis zu einem Drittel des Artikeltextes. Im Beispiel von oben muss man aber fast sagen, dass die Seite ohne Werbung beinahe trist wirkt. Dieser Eindruck wird vor allem durch das Fehlen von Zwischenüberschriften verstärkt.

Auch in Bezug auf die Wahrnehmung ergibt sich mit dem bereinigten Layout keine Überraschung. Das Fehlen der Werbung sorgt für mehr Aufmerksamkeit für die anderen Bereiche:

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Generelles Problem bei einer solchen Kombinierung visuell dominanter Werbegrafiken und dem Titel eines Artikels ist der Hang zur sog. dualen Kodierung: Die Leser sind bestrebt, einen Zusammenhang zwischen Überschrift und Bild herzustellen. Diesen gibt es natürlich nicht. Eine entsprechende Bewertung kostet immer kognitive Ressourcen und Zeit.

Super: Die Geschwindigkeit

Apropos „Zeit“: Durch den Wegfall der Werbung ist die Auslieferung jeder Seite von golem.de plötzlich blitzschnell. Und das nicht nur ein bisschen, sondern ein bisschen viel. Hatte man vorher nie das Gefühl, auf golem.de langsam unterwegs zu sein, dann spätestens dann, wenn man sich einmal ohne Werbung ein paar Seiten angesehen hat. Die Auslieferungsgeschwindigkeit ist eigentlich der heimliche Star des werbefreien Formates.

Entwicklung bei golem.de

Steve Haak von der Golem-Redaktion gibt an, dass aktuell das umfassende Nutzerfeedback ausgewertet wird. Für die Zukunft sei unter anderem die Implementierung eines Volltext-RSS-Feeds geplant, der auch Fotos und Videos beinhaltet.

Fazit

Ganz klar: Das golem.de-Abo macht Spaß und der Preis ist absolut fair. Zwar fehlen den Artikeln ab und an noch ein paar Zwischenüberschriftung für eine bessere Orientierung und Relevanz-Bewertung, das ist aber keine Frage des Abo-Modells oder seiner Umsetzung. Ohne Werbung fällt es eben nur auf. Insgesamt lassen sich aber bereits jetzt alle Artikel noch einen Tick leichter lesen, als bisher – auch wenn sich das Auge erst an den neuen Luxus gewöhnen muss. Vor allem aber fällt der Turbo-Boost beim Ansurfen der Seiten extrem positiv auf.

Man kann der Golem-Redaktion nur gratulieren: Ein neues, mutiges Angebotskonzept, welches möglicherweise ja Schule macht. Denn Vergleichbares sucht man bisher vergebens. Und beschweren braucht sich ohnehin niemand, da ja für nicht-zahlende Leser alles beim Alten bleibt. Und das ist dann schon etwas Besonderes!

Wie viele Leser sich zu Abonnenten konvertieren lassen bleibt freilich abzuwarten. In jedem Fall ist es aber eine faire Alternative zum Einsatz eines Ad-Blockers. Jetzt kann sich niemand mehr herausreden: „Ich würde dafür ja auch bezahlen, wenn es ohne Werbung wäre“.

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