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Rand Fishkin: Der Fels in der SEO-Brandung

Suchmaschinenoptimierung bietet seit jeher viel Raum für Spekulationen und Mythen. Deshalb wirken Persönlichkeiten, die mit Verstand und Objektivität an das Thema herangehen, für viele im Online-Marketing wie ein Leuchtturm in der wilden SEO-Brandung. Eine von diesen Persönlichkeiten ist Rand Fishkin, Gründer von MOZ. Im Interview gewährt er uns interessante, persönliche und sehr sympathische Einblicke hinter die Kulissen.

Rand, jeder, der sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt, stößt früher oder später auf Deinen Namen. Kannst Du Dir erklären, warum das so ist? Was ist das Geheimnis Deines Erfolgs?

Oh, ich glaube, da gibt es kein Geheimnis – ich arbeite ja sehr transparent :-) In erster Linie ist das wohl so, weil ich (und MOZ) mit meinen Inhalten den Finger auf die Wunden vieler Optimierer und Marketing-Verantwortlichen lege. Das ist nicht selten eine große Herausforderung, bei der viele technische Aspekte berücksichtigt werden müssen. Wir waren damals einer der ersten Anbieter, die hochwertige Inhalte kostenfrei zur Verfügung stellten, um die Community beim Lernen zu unterstützen und ihnen Ratschläge zum taktischen Vorgehen zu geben. Dazu habe ich übrigens auch einen kleinen Artikel geschrieben.

Kannst Du Dein Unternehmen MOZ kurz für die Leser vorstellen, die es noch nicht kennen?

Klar! Wir sind ein Startup mit Sitz in Seattle und entwickeln Software für professionelle Web-Marketers, die sich auf Kanäle, wie SEO, Social Media und Content Marketing fokussieren. Aktuell haben wir etwa 22.000 Anwender, die unsere Tools für ihre Arbeit nutzen. Unser Ziel ist es aber, noch weitere Tausende zu unterstützen.

Zusätzlich zu unseren kostenpflichtigen Lösungen bieten wir auch eine Fülle an kostenfreien Tools an. Hinzu kommen viele informative Inhalte für alle, die mehr über Web-Marketing-Praktiken wissen möchten.

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Wie kamst Du eigentlich zur Suchmaschinenoptimierung?

Es war Anfang des Jahrtausends. Ich arbeitete damals als Web-Designer und versuchte die Geschäfte meiner Kunden mit der Erstellung von Websites zu unterstützen. Natürlich brauchten diese auch Traffic, allerdings gab es kein Budget für entsprechende Werbemaßnahmen. Als vernünftige Alternative erschien hier nur die Suchmaschinenoptimierung. Damals eine sehr bruchstückhafte und geheimnisumwobene Disziplin. Wir setzten uns deshalb zum Ziel, SEO transparenter und greifbarer zu machen.

Was verbirgt sich hinter Eurem „Whiteboard Friday“? Wie kamt ihr damals auf das Format?

Ich erklärte damals einem Kollegen am Whiteboard ein SEO-Konzept. Währenddessen griff er einfach zur Kamera, nahm alles auf Film auf, und lud es später auf unseren Blog hoch. Das waren die Anfänge von dem, was sich später zu „Whiteboard Friday“ weiterentwickelte.

Wir lieben das Format nach wie vor. Wir überlegen zwar ständig, wie wir die Qualität der Inhalte verbessern können, haben aber keine Pläne, das Format großartig zu ändern.

Du bist ja weltweit ein gern gesehener Speaker und reist deshalb sehr viel. Wie viele Tage im Jahr bist Du nicht zu Hause?

Ja, ich reise sehr viel – so etwa 110 Tage im Jahr. Meistens ist meine Frau, Geraldine, dabei. Sie betreibt einen Reise-Blog und dokumentiert unsere Trips.

Und wo warst Du noch nicht?

Ich hoffe, dass ich auch irgendwann einmal nach Dänemark, Chile, Argentinien, Japan, die Türkei und New Mexico (in den USA) komme.

Kommen wir zu Google: Welche Art von Beziehung besteht zwischen Euch?

Größtenteils eine gute. Mit meinen Äußerungen mache ich es Google sicherlich nicht immer leicht – vor allem, wenn diese mit deren Grundprinzipien kollidieren. Auf der anderen Seite unterstütze ich Google aber auch dabei, transparenter und nachvollziehbarer zu erscheinen und vertrauen aufzubauen.

Ich würde sagen, es ist eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe – obwohl wir natürlich nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit von Google erhalten, wie Google von uns :-)

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Was fasziniert Dich an der Suchmaschinenoptimierung am meisten?

Das ist der Mangel an Transparenz und objektiven Informationen. Marketing-Verantwortliche und Website-Betreiber, ja ganze Industrien, sehen sich nicht selten vielen Falschinformationen und windigen Betreibern ausgeliefert. Die Suchmaschinenbetreiber weigern sich jedoch, dagegen etwas zu unternehmen. Sie führen an, dass Spam-Bekämpfung wichtiger sei, als genaue Einblicke in die Bewertungsmechanismen zu gewähren.

Und genau deshalb gibt es Unternehmen wie MOZ, um diese wichtige Informationslücke zu schließen. Trotzdem ist aber auch das keine zufriedenstellende Lösung.

Wie gelangst Du an Deine Informationen? Und wie werden diese organisiert?

Ich spreche sehr viel mit Marketing-Verantwortlichen und Unternehmen jeglicher Größe und Format – angefangen bei Startups und dem Inhouse-Marketing großer Unternehmen, bis hin zu Agenturen und Beratern. Es sind genau diese persönlichen Kontakte, die mich immer wieder auf’s Neue inspirieren und mir zeigen, was andere brauchen und wie ich ihnen bei ihrer Arbeit helfen kann.

Und wenn es um die Organisation von Informationen geht, kommt es auf das Format an. Ich erstelle eine Menge an Präsentationen (die ich dann auf Slideshare veröffentliche), schreibe Blog-Artikel oder filme Videos. Die genaue Auswahl hängt immer ein wenig davon ab, was meiner Einschätzung nach die beste Resonanz hervorruft.

Über welche Qualitäten sollte ein guter Optimierer Deiner Meinung nach verfügen?

Ich bin der Meinung, ein guter SEO sollte ein „T-förmiger“ Marketer sein. Er sollte zum einen ein sehr gutes Verständnis über das eigene Geschäft besitzen. Zum anderen ist aber auch Erfahrung und Einfühlungsvermögen mit und für alle anderen Marketing-Disziplinen erforderlich, die sich mit SEO zunehmend überschneiden.

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Verwendest Du – neben der eigenen Software – auch noch andere SEO-Tools?

Ja! Aktuell schlägt mein Herz für Buzzsumo. Buffer ist ebenso ein sehr eindrucksvolles Tool.

Wie würdest Du die Entwicklung von SEO der letzten Jahre bewerten?

Es scheint so, SEO hätte seine teils rauen Entwicklungsjahre endlich hinter sich gelassen, in denen viele Optimierer ihre langjährigen Praktiken über Bord werfen mussten, weil Google ihnen auf die Schliche kam. Die Branche ist inzwischen erwachsen geworden und zielt heute eher auf eine Langzeit-Strategie und Marketing Best Practices, und nicht mehr auf Hacks mit Links und Linktext.

Und was siehst Du als größte Herausforderung für die Branche in den kommenden Jahren?

Eine große Herausforderung wird sein, sich als Suchmaschinenoptimierer von den Content-Marketers abzuheben, die ja inzwischen eine Menge wichtiger, nicht technischer SEO-Aufgaben durchführen. Vielleicht wird SEO ein eigener Fachbereich bleiben, oder aber es wird eine Verschmelzung mit Social Media Marketing, Content Marketing und anderen Arten des Inbound Marketings geben.

Ich bin mir sicher, dass SEO immer eine wichtige Tätigkeit bleiben wird. Ob es aber auch immer eine eigene Berufsbezeichnung bleiben wird, kann ich nicht sagen.

Gibt es eigentlich eine SEO-Frage, die Du nicht mehr hören kannst?

Es macht mir nichts aus, immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten. Trotzdem hoffe ich, dass – eines Tages vielleicht – die Frage nach Google’s grünem PageRank-Indikator in der Google-Toolbar nicht mehr gestellt wird :-)

Und welche Frage sollte hingegen noch deutlich öfter gestellt werden?

Ich mag strategische Fragestellungen. Ich hoffe, dass zukünftig noch mehr Unternehmen in Bezug auf SEO mehr strategisch und weniger taktisch denken. Also weniger „wie können wir für diesen Begriff besser ranken“, sondern „wie können wir eine Marke etablieren, die Interesse und Aufmerksamkeit für unsere Website und unsere Produkte generiert?“.

Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

Oh, so viele Pläne … Im großen und ganzen dreht sich alles um die Verbesserung unserer Software, damit unsere Kunden ihre Ziele noch besser erreichen. Und Diese Aufgabe wird uns die kommenden Jahre beschäftigen.

Letzte Frage: Könntest Du Dir vorstellen, irgendwann einmal etwas völlig anderes zu tun?

Eines Tages vielleicht. Momentan ist für mich aber einfach noch viel zu viel im Web-Marketing zu tun, als das ich meine Arbeit in absehbarer Zeit aufgeben könnte :-)

Rand, vielen Dank für diese sehr persönlichen Einblicke zu Deiner Person und Deinem Unternehmen. Wir drücken Dir für die Zukunft alle Daumen!

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