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Nein, den Rankingfaktor gibt es nicht

Warum wir aufhören müssen, in trennbaren Einheiten zu denken.

Klar könnte ich Ihnen alle Rankingfaktoren nennen – aber danach müsste ich Sie erschießen!

Natürlich werden die Bewertungsmechanismen von Google mit dem eigenen Leben geschützt. Dennoch sind solche Aussagen quatsch – denn den Rankingfaktor gibt es gar nicht. Zumindest nicht so, wie es sich viele bislang vorstellen.

Das Wissen über die Rankingmechanismen, also die Regeln, nach denen Google eine Website bewertet und in den Suchergebnissen platziert, ist das Kapital eines jeden Suchmaschinenoptimierers. Denn ohne lassen sich keine entsprechenden Handlungsempfehlungen ableiten. Und da verständlicherweise offizielle Antworten von Google zu wichtigen Fragen ausbleiben, scheint die Bündelung von Erfahrungen anderer die einzige Lösung, dem allgemeinen Informationsdefizit Herr zu werden.

Probleme beim „Reverse Engineering“

Fragt man jedoch viele Suchmaschinenoptimierer und stellt auf diese Weise eine Liste wichtiger Parameter zusammen, die Einfluss auf das Ranking haben, so mischt man völlig unterschiedliche Szenarien miteinander. Hierbei werden also die spezifischen Umgebungsvariablen völlig ausgeblendet. Korreliert ein Parameter also mit einer guten Platzierung, wird hieraus oft fälschlicherweise abgeleitet, dass dieser für die gute Platzierung verantwortlich wäre. Die Konstellation der Variablen als solche wird nicht berücksichtigt.

Nicht zu vergessen ist aber auch, dass die Bewertungsmechanismen permanenten Updates unterworfen sind. Das erschwert einen adäquaten Erkenntnisgewinn zusätzlich.

Konsens ist Mist

Die eigenen Beobachtungen sind verständlicherweise subjektiv geprägt. Oftmals werden dort Zusammenhänge beobachtet, wo man sie erwartet. Viel zu selten werden eigene Annahmen kritisch hinterfragt und auf Stichhaltigkeit geprüft.

Hinzu kommt jedoch noch ein weiterer wichtiger gruppendynamischer Aspekt: Werden eigene Erkenntnisse in der Gruppe miteinander abgeglichen, streben die meisten Teilnehmer eine Konsens-Situation an. Es werden also nur solche Argumente ins Rennen geführt, von denen man annimmt, dass diese auf allgemeine Zustimmung stoßen. Bei exotische Argumenten besteht die Befürchtung der fachlichen und persönlichen Ausgrenzung. Dieses Phänomen ist gerade im Bereich der Suchmaschinenoptimierung ein großes Problem, da wichtige Zusammenhänge so niemals zur Sprache kommen.

Der Faktor als untrennbare Einheit

Ein Faktor ist laut Wikipedia eine Einflussgröße auf ein Geschehen. Doch wie oft stellt man als Suchmaschinenoptimierer fest: Das, was bei Domain A) funktionierte, das zeigt bei Domain B) keine Wirkung. Ein und der gleiche Parameter scheint also seinen Einfluss manchmal mehr, manchmal aber auch weniger geltend machen zu können.

Wie bei den Faktoren bei einer Multiplikation hängt das Ergebnis von allen beteiligten Variablen ab. Damit ist der Rankingfaktor – wie schon oben beschrieben – ein von anderen Variablen abhängiger Faktor. Nicht der Faktor selbst, sondern das Endergebnis zählt (Faktor * Faktor = Produkt). Das wird nicht selten verwechselt. Korrelationsanalysen sind deshalb leider ohne praktischen Nutzen.

SEO-Hygiene und domainspezifische Maßnahmen

Dennoch lassen sich die getroffenen Optimierungsmaßnahmen einteilen: In SEO-Hygiene-Maßnahmen. Und in domainspezifische Maßnahmen.

  • Mit SEO-Hygiene sind solche Maßnahmen gemeint, die für jede Domain die gleiche Gültigkeit besitzen. Diese gehören zum Standard einer jeden Optimierung. Mit ihnen lässt sich nichts falsch machen. Dazu gehören bspw. solche, die dem Crawler die einwandfreie Indexierung ermöglichen. Man müsste sie deshalb eigentlich als „SEO-Summanden“ und nicht „Faktoren“ bezeichnen.
  • Mit den domainspezifischen Maßnahmen sind die Maßnahmen gemeint, die auf eine spezifische Domain zugeschnitten sind. Sie helfen einer spezifischen Domain zu „funktionieren“. Dazu gehören bspw. speziell aufbereitete Inhalte, aber auch die Optimierung der User Experience. Für eine aussagekräftige Bewertung greift Google auf Nutzersignale zurück, soweit die entsprechenden Daten ermittelt und abgeleitet werden können.

Polymorpher Algorithmus

Bedenkt man nun, dass neben der eigenen Domain und den permanenten Algorithmus-Updates die Platzierungen auch von neuen Marktteilnehmer beeinflusst werden, so erscheinen die Bewertungsregeln für jede Domain anders zu wirken. Der Algorithmus scheint sich polymorph zu verhalten.

SEO = Kybernetik

Wir sollten uns deshalb von der Vorstellung verabschieden, wir könnten einzelne Faktoren beliebig beeinflussen. Modifizieren wir einen Parameter geringfügig, so kann dies die vollständige Gleichung verändern. Doch ein permanentes Adaptieren, bzw. Optimieren ist notwendig, um auf die stetigen Änderungen von Algorithmus, Nutzerverhalten und Konkurrenz reagieren zu können.

Die Arbeit des Suchmaschinenoptimierers gleicht damit eher der Leitung eines sich weitestgehend selbststeuernden, komplexen Organismuses. Damit entspricht das Aufgabenfeld dem eines Kybernetikers (Kybernetik = Kunst des Steuerns).

Fazit

Natürlich gibt es allgemeingültige Einflussgrößen. Jedem dürfte allerdings klar sein, dass wir hier von absoluten Basics sprechen. Die Grundlagen müssen für jede Domain vorausgesetzt werden. Wer ganz vorne/oben mitspielen möchte, der muss „seine“ domainspezifischen Rankingfaktoren finden und diese zu seinen Gunsten ausnutzen. Und das lässt sich eben nicht über Rankingfaktoren-Tabellen erledigen, sondern erfordert eine langfristige Beschäftigung mit der betreffenden Domain, sowie ein kontinuierliches Testing. Eine vordefinierte und als ideal geltende Ausprägung eines spezifischen Faktors gibt es jedenfalls nicht (mehr).

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