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Google muss zerschlagen werden, oder?

Was Experten von den Plänen der EU halten.

Viele Brancheninsider können das Thema nicht mehr hören und schütteln nur entsetzt den Kopf, wenn populistische Politik von digitalen Neuländern praktiziert wird, die die Konsequenzen ihrer Entscheidungen in keinster Weise absehen können.

Und wie das bei Konflikten eben der Fall ist, bauen sich ganz schnell zwei extreme Positionen auf, um Stellung zum argumentativen Angriff zu beziehen. Und da das Thema inzwischen auch in der breiten Masse angekommen ist, wird nicht damit gespart, diese trickreich auf die jeweils eigene Seite zu ziehen.

Die Sache mit dem Ausschnittswissen

Mit vermeintlichen Fakten lässt sich sehr schön manipulieren – indem man einfach ein paar Details gekonnt weglässt. Das weiß jeder, der sich schon einmal mit der Erstellung von Statistiken beschäftigt hat. Wählt man bspw. für eine Grafik nur den Ausschnitt einer Stagnation (in welchem Kontext auch immer), kann mit der richtigen Skalierung der Y-Achse ein dramatisches Bild skizziert werden. Für eine korrekte Bewertung müssen wir alle Daten einsehen können.

Das gilt auch für die aktuelle Debatte um Google und seine Monopolstellung. Schnell lassen sich hier „Opfer“ der Übermacht ‚Google‘ finden, die bereit sind, ihren Leidensweg auch im Fernsehen darzulegen. Sicherlich handelt es sich hier um wahre Gegebenheiten. Doch die Schlüsse sind eben nicht immer die, die sich scheinbar schlüssig ableiten lassen.

Selektive Wahrnehmung

Jeder kennt das: Ist man so richtig in Rage, will man gar nicht alles wissen. Denn schließlich könnten ja solche Informationen dabei sein, die das eigene Verhalten in Frage stellen. Im Prinzip geht es um Revierverteitigung – und den Erhalt oder gar den Ausbau des eigenen Machtbereiches. Ein verständliches, nachvollziehbares Motiv, welches wohl in allen Kulturen – im Großen, aber auch im Kleinen – zu finden ist und das Leben, so wie wir es kennen, entscheidend bestimmt.

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Vorwurf: Monopolmissbrauch

Letztlich geht es darum zu ergründen, ob Google seine Stellung am Markt missbraucht. Warum ist das neue Start-Up nicht auf Platz 1 zu finden, die große, seit Jahren bekannte Marke aber schon? Eine Frage, die sich die gefühlten Google-Opfer stellen, und darin eine fehlende Gleichstellung sehen. Ebenso eine Frage, bei der sich jeder Suchmaschinenoptimierer an den Kopf fasst und kaum glauben kann, welche Mechanismen hier einfach übersehen werden.

Was wir Google wohl kaum vorhalten können, ist die profitorientierte Unternehmensführung. Schnell findet die Presse aber auch hier zur Jahreszeit passende Themen, um die Situation für sich zu nutzen (bspw. hier), unreflektiert gegen den Suchmaschinenbetreiber „schießt“ und dafür auch noch Beifall erntet.

Was wir durchaus beobachten können, ist der Versuch einer finanziellen Ausreizung des Konzeptes „Suchmaschine“. Und das kann dann durchaus unangenehm als Spiel im eigenen Vorteil erscheinen. Eine Manipulation der organischen Suchergebnisse zum eigenen Vorteil ist allerdings absurd. Warum?

Nutzer-zentrierter Denkweise

Google hat nicht um sonst in Deutschland einen so hohen Marktanteil (weit über 90 Prozent): Die Qualität der Suchergebnisse ist überdurchschnittlich gut. Warum ist das so? Weil der Suchmaschinenbetreiber stets die Nutzersignale in seinen Bewertungsalgorithmus einbezogen hat. Also: Sind die Nutzer von einer Website überzeugt, ist es Google ebenso. Ursprünglich basierte die Bewertung auf der Anzahl und der Qualität eingehender Links als eine Art unabhängige Empfehlung. Die Bewertungsmechanismen sind inzwischen deutlich komplexer geworden: Zum einen, um noch näher an die menschlichen Bewertungsaspekte heranzukommen. Zum anderen aber auch, um die Manipulationsversuche zu noch besseren Platzierungen einzudämmen. Genau das ist bei Google ein ganz großes Thema, denn wenn die Qualität der Suchergebnisse nicht mehr stimmt, dann lässt sich auch mit bezahlter Werbung, den AdWords, kein Geld mehr verdienen. Google muss dafür sorgen, dass die Suchmaschine die besten Suchergebnisse liefert, damit sie auch weiterhin genutzt wird.

Bevor wir also die Opfer schlechter Platzierungen beklagen, müssten wir zunächst nach objektiven gründen suchen, warum deren Angebote von potenziellen Anwendern – und nicht von Google – verschmäht werden könnte. Google darf nicht per Gesetz dazu verpflichtet werden, Suchergebnisse auf Basis eines Gleichheitsgedanken heraus auszugeben. Sonst sind wir schneller im digitalen Kommunismus angekommen, als uns lieb ist. Und das ist sicherlich nicht im Sinne einer Gesellschaft, die für sich eine gewisse Führungsrolle in diesem Bereich beanspruchen möchte.

Die Wahrheit

Die Wahrheit findet sich wohl irgendwo zwischen den ganzen Nebelkerzen, die Pro und Kontra entzündet haben. Aber reicht diese dann aus, um öffentlich eine „Zerschlagung“ des Konzerns zu rechtfertigen? Bevor ein solch radikaler Schritt auf EU-Ebene gefordert wird, sollten die Verantwortlichen doch zunächst ihre Hausaufgaben machen und fachlich dazulernen, damit eine objektive Bestandsaufnahme möglich wird. Denn genau eine solche sollte man doch von der EU-Politik erwarten dürfen.

Googles Erfolg als Suchmaschine scheint ja nicht ganz unverdient. Das Unternehmen hat als erstes in seiner Form erkannt, welche Bedeutung der Nutzer-zentrierte Ansatz für den wirtschaftlichen Erfolg hat. Die Fokussierung auf die Interessen der Anwender als Erfolgskonzept. Und der permanente Wille zur Anpassung an neue Gegebenheiten. Google zeigt eindrucksvoll, wie weit man mit einem solchen Konzept kommen kann. Schade, dass viele andere Unternehmen, die Google als Konkurrenz oder schädlichen Monopolisten betrachten, genau diesen Ansatz für ihre Geschäfte nicht verfolgen wollen oder können.

Kippt allerdings die Balance zwischen Mehrwert und finanziellen Interessen, werden die Suchmaschinen-Nutzer das nicht tolerieren – und Google damit hart treffen. Der Suchmaschinenbetreiber darf und wird dies deshalb auch nicht zulassen – wenngleich er sich doch immer wieder an diese Grenzen des Machbaren herantastet.

Expertenmeinungen

Was denken andere Suchmaschinenoptimierer? Wir haben Markus Koczy von AKM3, Andreas Kisner von Artaxo und Christian Spieker von One Advertising gefragt.

Fazit

Es wäre wünschenswert, wenn Google auch jetzt und an dieser Stelle seinem Nutzer-zentriertem Konzept treu bleibt und seinen Anwender zuhört. Die populistischen Anteile des Gegenwindes von wirklich relevanten Aspekten trennt, und aus der nicht immer ganz sachlichen Diskussion solche Dinge mitnimmt, die das Unternehmen auch dauerhaft in bisher rivalisierenden Gebieten auf Akzeptanzkurs bringt.

Die Forderung einer „Zerschlagung“, von der keiner weiß, wie diese aussehen soll, geschweige denn, welche Konsequenzen sie hätte, wirkt völlig unüberlegt und populistisch.

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