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Google und die Flüchtlinge

Spuren von Ablehnung, Empathie und beispielloser Verantwortung.

Die Medien sind zur Zeit von nur einem Thema beherrscht: Der Flüchtlingsstrom aus Syrien. Wir haben uns angeschaut, welche Spuren die aktuellen Geschehnisse bei Google zeichnen und welche persönlichen Einstellungen der Menschen sich ableiten lassen.

Das Leid der syrischen Flüchtlinge wird uns täglich über alle Kanäle frei Haus geliefert. Das sorgt natürlich auch dafür, dass besorgte und mitfühlende, aber auch wütende Menschen in Deutschland die Suchmaschine ihrer Wahl nutzen, um sich zum Thema weiter zu informieren.

Deutsche Annäherung an das Thema

Für allgemeine Nachrichten – oder einfach für eine erste inhaltliche Annäherung an das Thema – werden viele Suchanfragen im generischen Kontext „flüchtlinge“ abgesetzt. Die entsprechenden Suchvolumina ermitteln wir im Folgenden über Google Trends:

fluechtlinge

Auch wenn das Tool keine absoluten Zahlen verrät, so lässt sich dennoch sehr gut erkennen, dass die Anzahl der Suchanfragen in jüngster Zeit stark zugenommen haben.

Bei der Suche nach „flüchtlinge“ erhält der Interessierte eine Suchergebnisseite mit folgendem Aufbau:

serp

Während die aktuellen Meldungen im Kopfbereich höchstwahrscheinlich für den Suchenden als relevant erscheinen, so scheint der Hinweis auf den Film „Flüchtlinge“ wenig passend.

Ein wichtiger geographischer Fokus liegt auf der bayerischen Landeshauptstadt München, die als erste Anlaufstelle der Flüchtlinge fungiert. Hier fällt ein deutschlandweites Interesse auf. Dies zeigt sich in ebenso deutschlandweiten Suchanfragen nach „flüchtlinge münchen“. Hier möchten sich viele Interessierte offenbar nicht nur auf die Berichterstattung der großen Medien verlassen, denn es wird auch verstärkt nach „webcam münchen hauptbahnhof“ gesucht.

fluechtlinge_hbf

Wie in der Abbildung zu sehen ist, suchen scheinbar auch die Münchener nach Möglichkeiten der ehrenamtlichen Unterstützung („flüchtlinge münchen helfen“). In der folgenden Abbildung lässt sich erkennen, dass dieses Engagement nicht nur auf die Bevölkerung vor Ort begrenzt ist. Sogar in Berlin wird scheinbar überlegt, wie man in Bayern unterstützende Hilfe anbieten könnte:

hilfevorort

Das zeugt insgesamt von einer unglaublichen Hilfsbereitschaft im Land. Positiv zu erwähnen ist auch, dass bei den genannten Suchvorgängen inzwischen größtenteils passende Informationen von Google zurückgeliefert werden. Dennoch lassen sich immer noch viele Suchergebnisse von sicherlich offiziellen Stellen finden, die die Hilfsbereitschaft der Menschen noch nicht ausreichend kanalisieren können.

Die Stimmung im Land: Pro und Kontra

Vergleichen wir doch einmal die positiven mit den negativen Stimmungen im Land. Dazu schauen wir uns die Suchvolumina von „flüchtlinge raus“ und „flüchtlinge willkommen“ an. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass ein solcher Vergleich keine statistische Evidenz zu einer quantitativen Verteilung gibt, da negative Positionen häufiger zu einer Reaktion führen, als positive. Dennoch lässt sich durch den Vergleich eine sicherlich eindeutige Stimmungslage beobachten:

flraus

Interessant ist hier zu beobachten, dass typische Peaks immer zur Mittagszeit, sowie zu den 20 Uhr-Nachrichten auftreten.

Mit Google Trends lässt sich auch die Herkunft der Kontra-Stimmen ermitteln: Prozentual betrachtet stammt der größte Anteil aus Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern – was aber nicht wirklich verwundert, da München im Fokus der Berichterstattung lag.

flraus2

Werfen wir in diesen Zusammenhang nun auch einen Blick auf politische Einstellungen. Die folgende Abbildung zeigt den Verlauf der Suchvolumina nach „npd flüchtlinge“ und „flüchtlinge raus“:

npd

Hier sind sehr deutlich starke Korrelationen zwischen der NPD als Partei, sowie der negativen Einstellung zur Aufnahme der Flüchtlinge zu erkennen.

Unterschiedliche Formulierungen

Während die Begriffe „Flüchtling“, „Ausländer“ und „Asylanten“ in der Vergangenheit für einen Suchprozess im Negativkontext oftmals synonym verwendet wurden, so erleben wir hier gerade einen Wandel: „flüchtlinge“ wird erstmals häufiger verwendet als „ausländer“:

raus

Hilfsbereitschaft im Ausland

Doch nicht nur die deutsche Bevölkerung beschäftigt sich in positiver Weise mit dem Flüchtlingsthema. Wenn wir auf das englischsprachige Ausland blicken, so fällt auf, dass vor allem die Briten helfen möchten:

refugees_help

Auch in den Vereinigten Staaten geht das Thema nicht spurlos an der Bevölkerung vorbei. Die geographische Entfernung ist dem geringeren Suchvolumen jedoch anzumerken.

Interessantes ergibt sich, wenn wir die allgemeine Nachfrage zum Thema im englischen Sprachraum miteinander vergleichen. Direkt nach England lässt sich ein hohes Interesse der irischen Bevölkerung beobachten. Eine vergleichbare Nachfrage an Möglichkeiten zur Flüchtlingshilfe scheint es jedoch nicht zu geben:

refugees_trends2

Deutschland im Ausland

Neben dem Engagement der englischsprachigen Länder lassen sich bei Google jedoch auch Hinweise auf eine veränderte Wahrnehmung Deutschlands erkennen:

int1

Interessant ist hier, dass neben „refugees“ (Flüchtling) ebenso mit dem Begriff „immigrants“ (Immigranten) gesucht wird – obwohl beide Begriffe völlig unterschiedliche Motive der Zuwanderung beschreiben. Insbesondere die geografische Herkunft dieser unterschiedlich formulierten Suchanfragen gibt Anlass zu Spekulationen:

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Es scheint so, als ob Deutschlands Rolle in der Flüchtlingskrise zu einer steigenden Popularität beiträgt. Der allgemeine Informationsbedarf zu „germany“ steigt:

germany

Selbst die Nachfrage nach den örtlichen Gegebenheiten wächst:

germany_map

Persönlicher Einsatz in Deutschland

Aber kommen wir nochmals zurück nach Deutschland, denn hier sei noch auf etwas Besonderes hingewiesen: Das Engagement der Bevölkerung geht so weit, dass sich viele mit der Frage beschäftigen, ob und wie sie syrische Flüchtlinge privat bei sich aufnehmen können:

fluechtlingskinder2

Noch spezieller wird es bei der Frage, wie sich Flüchtlingskinder aufnehmen lassen. Hierbei sticht hervor, dass der überwiegende Anteil der Suchanfragen nach „syrische flüchtlingskinder aufnehmen“ aus Nordrhein-Westfalen kommt:

fluechtlingskinder1

Damit aber nicht genug: Viele Deutsche beschäftigen sich mit der Frage, ob und wie sie syrische Flüchtlingskinder adoptieren könnten:

fluechtlingskinder3

Diese Suchanfragen zeugen von einer unglaublichen Selbstlosigkeit. Von großer Empathie und Hilfsbereitschaft. Und das ist tatsächlich etwas, für das uns das Ausland beneiden kann.

Darauf sei unbedingt hingewiesen: Deutschland ist nicht allein. Auch in Österreich denken viele Menschen über eine Adoption von Flüchtlingen nach.

fluechtlingskinder4

Fazit

Die Flüchtlingskrise hat deutliche Spuren hinterlassen. Emotional und digital. Die Mehrheit der Deutschen steht hinter dem Kurs von Angela Merkel und bringt sich nicht nur in vorbildlicher, sondern in beispielloser Form in das Geschehen ein. Selbst an Adoptionen wird gedacht. Die schwierige Aufgabe der Politik wäe nun, die nötige Stimmung im Land weiterhin aufrecht zu erhalten.

Es lassen sich noch unzählige weitere Auswirkungen der Krise über Google Trends aufdecken, doch irgendwann ist eben auch dieser Artikel zu Ende. Eines kann abschließend jedoch vermerkt werden: Deutschland hat sich die internationale positive Stimmungsbilanz nicht erkauft, sondern wirklich verdient.

 

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