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airberlin.com: Falsch umgestellt

Wie unüberlegte Maßnahmen auf kosten der Marke gehen.

Wie steht es eigentlich um Airberlin? Im zweiten Teil unserer Serie „Case Study of Truth“ zeigen wir, welche SEO-Basics man bei der deutschen Fluglinie offenbar übersehen hat und wie sie aus dem Tal der Google-Platzierungen wieder empor steigen könnte.

Im Vergleich zur Konkurrenz, schlug sich airberlin.com in den Suchmaschinen (Deutschland) eigentlich immer recht gut. Bis zum Sommer 2014. An dieser Stelle übernahm Konkurrent germanwings.com die Führung.

Für die vorliegende Analyse verwendeten wir wieder die Analysetools Sistrix, ahrefs und Forecheck.

2015-11-18_1328

Die besten Platzierungen werden von der Domain in Deutschland generiert – gefolgt von der Schweiz und Österreich:

laender_airberlin

Dies sind auch die Länder, in denen nach „airberlin“ am meisten über Google gesucht wird:

nachfrage_airberlin

Insgesamt aber lässt die Nachfrage am Unternehmen (Suchvolumen „airberlin“: Blaue Linie), aber auch der Börsenwert (grüne Linie) kontinuierlich ab:

korrelation_boerse_nachfrage_airberlin

Indexierte Seiten

Auffällig erscheint, das bis zum Sommer 2014 deutlich mehr Dokumente von airberlin.com im Index der Suchmaschine zu finden waren, als davor – aber auch danach. Allerdings deuten die starken Schwankungen Sommer 2012 und Sommer 2014 auf typische Probleme bei der Indexierung hin:

indexierte_seiten_airberlin

Die genaue Ursache dieser Indexierungsschwankungen lässt sich für uns nur schwer ermitteln.

Externe Verlinkung

Werfen wir nun wieder einen Blick auf die Entwicklung der externen Verlinkung. Innerhalb der letzten 12 Monate lässt sich in Bezug uaf die Linkanzahl zwar eine deutliche Schwankung beobachten, allerdings erscheint diese insgesamt unauffällig. Die Anzahl der verweisenden Domains konnte in diesem Zeitraum um etwa 5.000 gesteigert werden.

airberlin

Die große Menge „abgebauter“ Links lässt vermuten, dass es sich hier um gezielte und nicht „natürliche“ Phänomene handelt. Betrachten wir uns aber die jetzt verwendeten Linktexte, so würde man aktuell keine künstlich generierten Links unterstellen:

airberlin_linkprofil

Alle Linktexte scheinen natürlich und nicht vorsätzlich manipulativ.

Für diese Analyse standen uns keine Daten zur Verfügung, die die Linkentwicklung für das Jahr 2014 hätten eindeutig klären können. Doch schauen wir uns nun ein paar SEO-Basics an …

Identische Seitentitel

Unter airberlin.com lassen sich eine Menge identischer Seitentitel finden. Sicher ist es nicht immer einfach, für ähnliche Seiten individuelle Titel zu verfassen; wenn es aber wirklich nicht anders geht, dann sollte geprüft werden, ob der doppelte Seitentitel nicht durch die Doppelung einer vollständigen Seite generiert wird. Wäre dies der Fall, müsste ohnehin auf anderer Ebene eingegriffen werden, doch dazu gleich mehr.

ident_title_airberlin

Fehlende Seitentitel

Bei der Analyse konnten wir auch einige Dokumente finden, die gänzlich auf einen Seitentitel verzichten. Es mag Fälle geben, in denen ein solches Vorgehen zu verschmerzen ist, wir konnten jedoch bei vielen Dokumenten unter airberlin.com nicht nachvollziehen, warum auf eine so wichtige Auszeichnung verzichtet wird.

fehlende_title_airberlin

Fehlende Überschrift

Auch die Überschrift als ein sehr wichtiges semantisches Element wurde teilweise einfach nicht implementiert; so wie bspw. auf den folgenden Seiten:

ohne_h1_airberlin

Für Login-Seiten mag das in Ordnung sein, für viele andere aber nicht. Denn damit verzichtet Airberlin auf ein weiteres, sehr relevantes Element für die Bewertung durch die Suchmaschinen.

Doppelte Überschriften

Wenn Überschriften definiert werden, sollte dies jedoch nicht mehrfach in identischer Form geschehen:

duplicate_h1_airberlin

Zudem stellt sich in diesem Beispiel die Frage, ob ein „Herzlich Willkommen“ nicht durch semantisch sinnvollere Inhalte ersetzt werden kann.

Mehrfache <h1>-Deklaration pro Seite

Problematisch verhält es sich auch mit der mehrfachen Definition von <h1>-Überschriften. Diese dürfen zwar per HTML5-Definition tatsächlich mehrfach implementiert werden, allerdings führt ein solches Vorgehen nicht zu einer zielgerichteten Optimierung:

mehrfach_h1_airberlin

Fehlende Description

Natürlich kann man nicht erwarten, dass bei einer so umfangreichen Domain wirklich jede Seite ihre eigenen Beschreibungstexte erhält. Für wichtige Seite in den höheren Hierarchie-Ebenen wäre dies jedoch nach wie vor zu empfehlen.

description_airberlin

302-Redirects

Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum man bei Airberlin bei einer Weiterleitung von „http“ auf „https“ auf einen 302-Redirect setzt. Dieser sorgt eigentlich dafür, dass die „https“-Variante nicht im Index erscheint, weil sie als temporäres Ziel definiert wird.

302_redirects_airberlin

Für eine sinnvolle und konsistente Indexierung wäre in jedem Fall dazu zu raten, auf 302-Weiterleitungen zu verzichten – nicht nur an dieser Stelle.

Weiterleitungsketten

Weiterleitungsketten, also die mehrfache Hintereinanderschaltung von Weiterleitungen, stellen ein grundsätzliches Problem dar. Unter airberlin.com konnten wir einige finden, die in jedem Fall auf eine Reduktion hin überprüft werden sollten.

redirectchains_airberlin

Duplicate Content

Die „unbehandelte“ Bereitstellung doppelter Inhalte stellt nach wie vor ein Problem für eine saubere Indexierung dar. Unter airberlin.com ließen sich einige Dokumente finden, die über unterschiedliche Adressen angeboten werden – ohne das die Doppelung von der Indexierung ausgeschlossen oder mit einem Canonical-Verweis entkräftet wird.

dc_airberlin

Hier muss unbedingt nachgebessert werden!

Schlechte Ladezeiten

Bei den Ladezeiten konnten wir Werte von bis zu mehr als 20 Sekunden messen. Das ist ohne Frage ein K.O.-Kriterium für jeden menschliche Besucher, aber auch für jede Suchmaschine.

ladezeit_airberlin

Selbst bei intensiven Datenbank-Operationen sollten nicht annähernd solch hohe Werte erzielt werden.

Anzahl der gefundenen URLs und Keywords

Werfen wir einen Blick auf die Anzahl der URLs, die in den Suchergebnissen zu finden waren, so lässt sich erkennen: Zwischen Mitte 2012 und 2013 (mit dem Google Penguin Update 2.0) wurden von Google deutlich mehr Adressen für den Index berücksichtigt, als davor oder danach.

anzahl_url_airberlin

Die Anzahl der in den Suchergebnissen gefundenen Keywords ging mit dem Penguin-Update jedoch deutlich nach oben.

anzahl_keywords_airberlin

Mit anderen Worten: Weniger Dokumente erzielten schließlich bessere Platzierungen. Dies lässt auf einen Spezifizierungsprozess (für höhere Relevanz) schließen, der durch den Algorithmus gesteuert wurde. Da vor allem Platzierungen jenseits der ersten Seite betroffen waren, ist ohnehin nicht davon auszugehen, dass sich durch die beschriebenen Schwankung spürbare Auswirkungen auf die Menge der Besucher ergeben haben.

Präsenz der Verzeichnisse

Von großer Bedeutung ist aber das hier: In der Woche des 30.0.6.2014 reduzierte sich die Sichtbarkeit des Ordners http://www.airberlin.com/de-DE/ und seiner Dokumente signifikant. Zum gleichen Zeitpunkt beobachten wir, dass der Ordner http://flights.airberlin.com/de-DE deutlich an Sichtbarkeit gewann. Die Vermutung liegt nahe, dass es zu diesem Zeitpunkt eine strukturelle Umstellung der Website gegeben hat.

airberlin_verzeichnisse2

Erkennbar ist: Die Sichtbarkeit beider Ordner erzielt in Summe nicht mehr das Leistungsniveau von vorher. Und nun kommt noch hinzu, dass die Inhalte eines weiteren Ordners an Sichtbarkeit gewinnen: https://flights.airberlin.com/de-DE/. Mit anderen Worten: Wir beobachten hier ein Duplicate Content Problem. Zum einen erscheinen in den Suchergebnissen Dokumente der Adressierung mit http, zum anderen aber auch mit https.

Es ist anzunehmen, dass die bereits weiter oben beschrieben 302-Redirects hier einen großen Anteil zur Problematik beitragen.

Fazit

So sieht es aus: Airberlin könnte mit wenigen Änderungen deutlich besser dastehen, als dies momentan der Fall ist. Dazu müssten lediglich ein paar SEO-Basics eingehalten werden. Dazu gehört auch, dass sich Airberlin für eine konsistente https-Implementierung entscheidet.

Da wir für diese Analyse keinen Zugriff auf analytische und projekthistorische Daten hatten, ist es natürlich nicht auszuschließen, dass nicht noch weitere technische Probleme für die unerfreuliche Situation verantwortlich sind. Die aufgedeckten Defizite sind jedoch so gravierend, dass man unbedingt zu einer Bereinigung raten muss.

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